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Wann kann mich der Arbeitgeber verhaltensbedingt kündigen?

Mit der verhaltensbedingten Kündigung reagiert Ihr Arbeitgeber auf eine Verletzung Ihrer Pflichten aus dem Arbeitsvertrag (z.B. wiederholtes Zuspätkommen, Arbeitsverweigerung, Schlechtleistung). Aber nicht jede Pflichtverletzung berechtigt den Arbeitgeber zu einer Kündigung. Entscheidend ist, ob dem Arbeitgeber trotz Ihrer Pflichtverletzung zumutbar ist, an dem Arbeitsvertrag weiter festzuhalten. Im Rahmen einer Interessenabwägung kommt es dabei darauf an, wie stark Ihre Pflichtverletzung zukünftig das Arbeitsverhältnis belasten wird. Wurden Sie bereits in der Vergangenheit wegen des gleichen Vorfalls abgemahnt, ist von einer zukünftigen Belastung des Arbeitsverhältnisses regelmäßig auszugehen.

Tipp!
Eine ohne Abmahnung ausgesprochene verhaltensbedingte Kündigung ist regelmäßig unzulässig.

Welche Gründe erlauben eine verhaltensbedingte Kündigung?

Das Kündigungsschutzgesetz kennt keine Auflistung von einzelnen Fehlverhalten, die zu einer Kündigung führen. Entscheidend sind immer die Umstände des Einzelfalls. Es haben sich jedoch typische Fehlverhalten herausgebildet, die zu einer Kündigung berechtigen:

Arbeitsverweigerung

Weigert sich der Arbeitnehmer, seine Arbeitsleistung zu erbringen, verstößt er gegen seine Arbeitspflicht. Das gilt auch dann, wenn er einer sonstigen vertraglichen Pflicht nicht nachkommt, etwa an einer Vorsorgeuntersuchung einer Berufsgenossenschaft nicht teilnimmt. Die verlangte Leistung muss sich jedoch aus dem Arbeitsvertrag ergeben.

Nebentätigkeit

Ein Verbot, überhaupt keiner Nebentätigkeit nachzugehen, ist unzulässig. Insoweit kann sich der Arbeitnehmer auf den Schutz der freien Berufsausübung nach Art. 12 GG berufen. Aber auch dann, wenn ein Nebenjob erlaubt ist, kann es zu einer Kündigung kommen. Das ist dann der Fall, wenn der Arbeitnehmer durch seine Nebentätigkeit so sehr beansprucht wird, dass er seine geschuldete Arbeitsleistung nicht mehr erbringen kann oder die nach dem Gesezt vorgesehene zeitlichen Höchstgrenzen überschreitet. Eine Nebentätigkeit ist selbstverständlich auch dann verboten, wenn der Arbeitnehmer bei der Konkurrenz arbeitet.

Arbeitsunfähigkeit

Ist der Arbeitnehmer arbeitsunfähig erkrankt, muss er dieses vor seinem ansonsten üblichen Arbeitsbeginn dem Arbeitgeber anzeigen und innerhalb der im Arbeitsvertrag vereinbarten oder gesetzlichen Frist - regelmäßig durch ein ärztliches Attest - nachweisen. Sowohl die Verletzung zur Anzeige als auch des Nachweises der Arbeitsunfähigkeit kann nach vorheriger Abmahnung zur Kündigung führen. Das "Blaumachen", also das Vortäuschen der Arbeitsunfähigkeit, kann unmittelbar ohne vorherige Abmahnung zur Kündigung führen.

Alkohol

Ist der Konsum von Alkohol während der Arbeitszeit untersagt, führt ein Verstoß hiergegen nach vorheriger Abmahnung zur Kündigung. Bei bestimmten Berufen ist der Konsum von Alkohol grundsätzlich verboten. So kann einem LKW-Fahrer oder Chirurg bei Alkoholkonsum sofort ohne Abmahnung gekündigt werden. Bei einem alkoholkranken Mitarbeiter kann zwar nicht aus verhaltensbedingten Gründen gekündigt werden, da der Alkoholismus als Suchterkrankung gilt. Möglich ist jedoch eine in der Person des Arbeitnehmers liegende Kündigung auszusprechen, wenn der Arbeitnehmer sich weigert, seine Suchterkrankung therapieren zu lassen.

Beleidigung

Je nach der Art und Schwere können Beleidungen gegenüber dem Chef, anderen Arbeitskollegen oder Kunden unmittelbar ohne Abmahnung zur Kündigung führen. Das gleiche gilt, wenn der Arbeitnehmer im Betrieb eine Straftat begeht, etwa einen Diebstahl oder mit Spesen betrügt.

Unentschuldigtes Fehlen

Wer wiederholt zu spät kommt oder unentschuldigt fehlt, dem kann nach vorheriger Abmahnung gekündigt werden.

Urlaub

Tritt der Arbeitnehmer eigenmächtig ohne vorherige Genehmigung durch den Arbeitgeber seinen Urlaub an, so kann ihm sogar außerordentlich aus wichtigem Grund gekündigt werden. Der Arbeitnehmer muss seinen Urlaub zuvor mit dem Areitgeber absprechen. Lehnt der Arbeitgeber ohne sachlichen Grund den Antrag des Arbeitnehmers auf Erholungsurlaub ab, so kann auch in diesem Fall der Arbeitnehmer nicht einfach in Urlaub fahren. Vielmehr muss er in einem gerichtlichen Eilverfahren seinen Anspruch auf Erholungsurlaub durchsetzen. Auch das Androhen einer Erkrankung, etwa wenn der Urlaub nicht bewilligt wird, kann mit einer Kündigung geahndet werden.